Gefährliche Kreuzfahrten: Wann sollte man vorsichtig sein?
Reisen 23. January 2012Kreuzfahrtschiffe gehören mit zu den sichersten Verkehrsmitteln. Havarien wie zuletzt auf der Concordia vor der toskanischen Küste sind eher selten. Doch wenn so ein Ozeanriese schlingert, liefern die Bilder spektakuläre Schlagzeilen. Wie sicher ist die Fahrt mit einem Kreuzfahrtschiff wirklich?
Kreuzfahrten zählen zu den beliebten Reiseformen vor allem für ältere Touristen. Allein 2010 machten 1,2 Millionen Deutsche Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Schiffe sind wie schwimmende Hotels mit allem Komfort ausgestattet und bringen Ihre Gäste auf Kreuzfahrten zu den schönsten Orten der Welt.
Doch in den letzten fünf Jahren hat die Kreuzfahrtschifffahrt eine Pechserie hingelegt. Bevor die Costa Concordia am Freitag, den 13. Januar 2012 kenterte, ereignete sich der letzte Vorfall 2010 auf der Louis Majesty. Da prallte eine unerwartete Riesenwelle (Freak Wave) gegen das Schiff und schlug Fensterscheiben ein. Zwei Passagiere sind damals gestorben. 2007 erlitt die Sea Diamond vor Santorin eine Havarie. Auch hier konnten fast alle Passagiere bis auf zwei bis heute vermisste Menschen gerettet werden. Trotz der traurigen Tatsache, dass Menschen bei den Unglücken der Kreuzfahrtschiffe zu Tode kamen, wird doch die Mehrheit der Passagiere stets in Sicherheit gebracht. Und das sind nicht wenige. So ein Kreuzfahrtschiff ist mit Tausenden Passagieren unterwegs. An Bord der Costa Concordia waren 4.229 Personen. Das spricht für die Crew.
Dennoch stellt sich nun die Frage, ob die Sicherheitsstandards bei Kreuzfahrten eigentlich ausreichend sind. Und wie sich Passagiere vor einem möglichen Unglück auf hoher See selbst schützen können.
Kreuzfahrtschiffe müssen nach dem internationalen Klassifizierungszertifikat SOLAS (Safety Of Life At Sea) zertifiziert sein. Mit dem Zertifikat wird die Seetüchtigkeit und die Sicherheit der Passagiere bestätigt. Auf jedem Schiff gibt es Sicherheitsbeauftragte, die für einen Notfall geschult sind. Allerdings ist es immer ratsam, sich nicht nur auf Vorschriften zu verlassen, sondern sich selbst als Passagier zu informieren. Viele Passagiere müssen vor Reiseantritt mit ihren Westen antreten und einmal den Weg zu den Rettungsbooten durchspielen. Nutzen Sie dieses Angebot. Der ADAC hat einige Tipps für Passagiere von Kreuzfahrtschiffen zusammen gestellt. Beim Betreten des Schiffes kann man sich die öffentlich ausgelegten Orientierungspläne und Beschilderungen anschauen. So lässt sich schnell feststellen, wo man sich im Schiff befindet und welcher der beste Fluchtweg ist. Den Fluchtweg selbst einmal abgehen. Zudem sollte man sich informieren, wo die Rettungsboote, Rettungsinseln und Evakuierungsrutschen an Bord sind. Es schadet auch nicht, sich die Rettungsweste einmal genau anzusehen und damit vertraut zu machen. Prüfen Sie auch, ob kleinere Westen für Kinder vorhanden sind. Bei einem Notfall ertönt das Alarmsignal: sieben kurze Töne und ein langer Ton. Generell gilt: Keine Panik, sondern Ruhe bewahren und den Anweisungen der Crew folgen. Ruhig aber zielstrebig zu den Sammelstationen gehen. Vermeiden Sie Aufzüge nutzen und lassen Sie das Gepäck in der Kabine. Falls bereits Rauch aufgetreten ist, gebückt gehen oder auf dem Boden kriechen. Ein feuchter Mundschutz hilft auch, den Rauch zu filtern. Die Fluchtwege werden wie im Flugzeug per Leuchtstreifen in Bodenhöhe angezeigt. Die Rettungswesten werden in den Sammelstationen verteilt. Die Crew führt die Passagiere dann von dort zu den Rettungsbooten. Wenn möglich, sollte unbedingt Kindern und anderen hilflosen Passagieren zuerst geholfen werden.
Auf Kreuzfahrtschiffen gibt es mehr Rettungsboote gibt als auf einem kleinen Schiff. Rettungswege und Sammelplätze sind entsprechend in Hinweisen ausgelegt. Der ADAC empfiehlt den Crews ihre Sicherheitsvorschriften noch einmal gründlich zu prüfen. Da die Crews häufig Schiffe wechseln, müssen sie die spezifischen Gegebenheiten der Schiffe kennen. Das Verantwortungsbewusstsein der Crew gegenüber den Passagieren sollte besser geschult und regelmäßige Notfallübungen unter realen Bedingungen durchgeführt werden. Das Anlegen der Rettungswesten sollte wie im Flugzeug einmal live demonstriert werden. Technische Sicherheitseinrichtungen müssen regelmäßig gewartet werden. Es muss sichergestellt werden, dass auch Menschen mit Behinderungen problemlos von Bord können. Die meisten Passagiere von Kreuzfahrtschiffen sind älteren Jahrgangs und brauchen Hilfe. Die Sicherheitshinweise müssen in mehreren Sprachen per Lautsprecher oder Video vor dem Ablegen aus dem Hafen übertragen werden und sollten auch gedruckt zur Verfügung stehen. Fluchtwege und Sicherheitseinrichtungen sollten deutlich gekennzeichnet werden.
Kreuzfahrtschiffe sind stets auf dem neuesten Stand der modernsten Navigationstechnik. Sensoren vermessen den Meeresgrund auf Zentimeter genau und zeigen Hindernisse an. Auch die Costa Concordia, die 2006 das erste Mal auslief, ist mit allen modernen Kommunikations- und Navigationsgeräten ausgestattet. Das satellitengestützte System ECDIS (Electronic Chart Display and Information System) zeigt auf einem Display die Seekarte elektronisch an, verfügt über ein Echpolot und übermittelt unter anderem die Positionsdaten des Schiffes als Radarbild. Wenn die Crew die Informationen ständig überwacht, sollten Fehler wie das Auffahren auf Felsen eigentlich vermeidbar sein.